Jungtierreise 2017 – Unkompliziert und einfach zur 10. Deutschen Jungtaubenmeisterschaft - Lena von der Becke

Jungtierreise 2017 – Unkompliziert und einfach zur 10. Deutschen Jungtaubenmeisterschaft von Lena von der Becke

Montag, 1. Januar 2018

Liebe Leserinnen und Leser,


wenn ich etwas in dieser Reisezeit gelernt habe, dann ist es genau eine Sache. Verlasst euch auf euer Bauchgefühl und macht es einfach so, wie ihr es für richtig haltet und nicht so, wie es vielleicht ein Anderer macht. In diesem Artikel werde ich euch über meine Erfahrungen und den Ablauf während der Jungtierreise berichten und wie wir uns auf Platz 10 der Verbands-Jungtauben-Meisterschaft platziert haben. Zusammen mit meinem Papa bilde ich die Schlaggemeinschaft Holger und Lena von der Becke. Er ist für die Alten zuständig, ich kümmere mich mit meiner Mama zusammen um die Jungtauben. Zuhause sind wir im schönen Külte am Twistesee.
 
Unser Zuchtschlag


Unser Zuchtschlag ist ausgestattet mit 24 Zellen und vier Einzelboxen. Jede Zelle verfügt über ein automatisches Kotband. Das ganze Jahr über haben die Vögel die Möglichkeit, sich frei im Schlag zu bewegen. Eine große Außenvoliere ermöglicht den Tauben, Tag und Nacht im Freien zu sitzen. Auch bekommen die Tauben hier die Möglichkeit, wöchentlich zu baden. Meist paaren wir die Tauben an Heiligabend an.
Der Stammaufbau erfolgte über viele Jahre. Hier wurden nur Leistungstauben aneinander verpaart, um erfolgreich zu züchten. Zu den heutigen Stammtauben werden immer wieder neue Tauben mit hervorragender Leistung und Abstammung eingeführt, um sich in der Zucht zu etablieren.
Mit dem Stammvogel „08720-05-1662“, welcher eine Nachzucht aus Gaby Vandenabeele ist und eng auf Wittenbuik gezogen wurde und seiner Stammtäubin „05991-05-5199“, welche aus dem 1. As-Vogel 2002 auf Bundesebene von Beumer/Sandbothe kommt und auf Blut von G. Koopman zurückgeht, wird mit mehreren Söhnen, Töchtern und Enkelkindern die Säule unseres Zuchtschlags gebildet. Verpaart mit Enkelkindern aus Olympiade 003 von Leo Heremans werden starke Jungtauben gezüchtet.
Des Weiteren verfügt unser Zuchtschlag über originale Tauben von Günter Prange und  Rudi Diels, welche ebenfalls gute Nachzuchten bringen. In 2017 führten wir außerdem drei vielversprechende Jungtauben von Albert Derwa’s Zuchtschlag bei uns ein.

 


 
Allgemeines zu unseren Jungtieren


Für die Reise ziehen wir meist 80 – 90 Jungtauben. Auch unser Jungtierschlag ist mit einem Kotband und einer großen Außenvoliere ausgestattet. Trennen tuen wir unsere Jungtauben allerdings nicht. Die Jungtaubenreise ist dafür da, dass die Jungen langsam und sicher ans Fliegen gewöhnt werden. Dies sollten die Züchter nicht vergessen. Um ein annähernd volles Federkleid zu garantieren, hängen wir die Fenster mit leichten Spanplatten ab. Verdunkeln kann man es allerdings nicht nennen. Es ist hell genug im Schlag, sodass die Tiere noch sicher fliegen können und auch alles sehen. Mit diesem „Verdunkeln“ beginnen wir, sobald die ersten Jungen abgesetzt werden. Außerdem können wir uns glücklich schätzen, dass wir seit Jahren von der Jungtierkrankheit verschont werden.
 
 
 
Freiflug und Training


Nachdem die erste Runde abgesetzt wurde, haben wir ihnen auch direkt den Freiflug ermöglicht. Natürlich konnten sie noch keine Runden ums Haus ziehen, jedoch waren sie so weit, um aufs Dach zu springen und den Garten zu erkunden. Anfang Mai zogen nun die älteren Jungen regelmäßig ihre Runden ums Haus, sodass wir Anfang Juni mit dem richtigen Training beginnen konnten. Morgens, wie auch abends bekamen die Jungen für eine Stunde Freiflug am Haus. Das erste Training begannen wir mit fünf Kilometern. Wenn wir sie nachmittags wegbrachten, ließen wir sie die ersten Male noch für ca. 15 – 30 Minuten am Haus fliegen. Die Distanz steigerten wir auf bis zu 70 Kilometer. Dies war jedoch die weiteste Entfernung und auch nur für einmal. Die Vorflüge in der RV schickten wir bis auf den Letzten nicht mit.
Als die Reise begann, trainierten wir die Jungen unter der Woche meist dienstags und mittwochs auf bis zu 10 Kilometern. Freitags wurde dann eingesetzt.
 
Benennen – Das Lotto im Brieftaubensport (oder auch das Chaos bei mir)
Wie auch bei den Alten, mussten die Tauben für die Meisterschaften vor dem ersten Preisflug benannt werden.
Während den letzten Freiflügen am Haus machte ich mir bereits Notizen, welche Junge den stärksten Drang zum Schlag hat und fix bei den ersten Rufen im Schlag sitzt. Auch schrieb ich die Reihenfolge auf, welche Jungen nach den Trainingsflügen als erstes Zuhause ankamen. Notizen waren also genug gesammelt! Während ich die Jungen für den ersten Preisflug einkorbte, fiel mir dann aber ein, was ich vergessen hatte… Das Benennen, wofür ich eigentlich Wochen zuvor schon einige Grundlagen sammelte. Da nicht mehr viel Zeit war, schrieb meine Schwester, die eigentlich gar nichts mit den Tauben zu tun hat, heraus,  welche Tauben in den letzten Wochen immer früh im Schlag waren. Die ersten 30, welche nach ihrer Meinung und meinen vorhandenen Notizen die „Besten“ waren, benannten wir dann. Zugegeben, es war auch nicht mehr viel Zeit, sich Gedanken darum zu machen. Bei den Preisflügen stellte sich aber heraus, dass meine Schwester ein glückliches Händchen hatte und somit ihre Arbeit ganz gut machte.
Die sechs Vorbenannten für die Verbandsmeisterschaft suchte ich vor jedem Flug spontan heraus.
 
Die Fütterung während der Reise


Ich bin so ziemlich die schlechteste Züchterin, die sich mit Futter auskennt. Mal füttere ich zu wenig, mal füttere ich zu viel. Wenn Papa das schon immer sieht, bekommt er die Krise. Na und? Mein Gott, es gibt wirklich Schlimmeres! Ich kann euch eins sagen; macht euch nicht immer so viele Gedanken ums Futter! Gerade bei den Jungtauben. Ihnen ist es egal, ob sie um punkt 18 Uhr ihr Futter bekommen, oder um 18.30 Uhr. Und wenn die eine Taube unbedingt eine Erdnuss mehr haben will, dann bekommt sie halt eine mehr. Da mache ich mir doch keine Gedanken, wie viel Fett darin enthalten ist. Wenn ich gefüttert habe, saß unser Hund manchmal auch mit am Futtertrog und hat mit daraus gefressen. Den Tauben ist das doch egal!
Zurück zur Grundlage des Fütterns; Wie erwähnt, kenne ich mich fast gar nicht damit aus. Für sowas habe ich immer Papa. Vor der Reise stellten wir einen Futterplan zusammen, wie ich den Tauben was und wann füttern soll. Die Grundlagen sind hier 70 % Böhkes Jungtaubenfutter, 30 % Georg Fröhlingsdorf von Vanrobaeys, drei Hände Sämereien und eine Hand Hanf. Grammangaben habe ich hierzu nicht. So war zumindest die Grundlage auf meinem Plan. Ich habe dies zumindest ungefähr so zusammengemischt, bis meine gewünschte Menge für ca. 90 Junge vorhanden war. So war auch Papa einigermaßen beruhigt. Den Tag vor dem Einsetzen machte ich immer Oregano-Öl, etwas für die Darmflora und Konditionspulver ans Futter. Wenn die Tauben vom Flug wieder kamen, presste ich Zitronensaft für das Futter aus und gab zusätzlich etwas Bierhefe und Proteine. Einmal pro Woche bekamen sie außerdem ein Babyglas mit Möhren.
Zusätzlich standen auf meinem Plan noch flüssige Mineralien für das Wasser und Mineralien in Form von Pulver. Papa sagte mir gefühlte 100 Mal vor der Reise, dass ich diese beiden Sachen bloß nicht vergessen sollte. Nach der dritten Preistour fragte er mich, ob ich die Produkte überhaupt geben würde, weil die Behälter noch so voll seien. Meine Antwort: „Lieber Papa, was du mir alles vor der Reise erzählt hast, davon habe ich die Hälfte sofort wieder vergessen. Außerdem weiß ich auch nicht mehr, wo die Dosen mit den Produkten überhaupt stehen!“  Nach diesem Satz verließ er kopfschüttelnd die Futterküche.
Und was soll ich sagen? Es hat alles bestens geklappt.
 
Ein Wechselbad der Gefühle


Wie gesagt, die Jungtierreise ist dafür da, dass die Jungen langsam an die Reise und den ganzen Trubel drum herum gewöhnt werden. Die ganze Reise machte ich mir um Preise, frühe Zähler und alldem keinen Kopf. Ich schaute auch nicht einmal in die Preisliste, wie wir in den Meisterschaften stehen. Ich habe mich darüber gefreut, dass meine Tauben immer gut und vor allem vollzählig nach Hause kamen. Natürlich habe ich mich auch darüber gefreut, wie gut es bis jetzt lief -  gar keine Frage!
Nach der Auswertung des fünften und somit vorletzten Preisflugs kam Papa in den Garten mit der Preisliste und machte uns darauf aufmerksam, wie gut es bis jetzt auch auf Verbandsebene mit uns stünde. Ab dieser Minute war es der pure Horror für mich. Ich war so aufgeregt wie noch nie und die ganze Woche machte ich mir Gedanken über Sachen, an die ich vorher keine einzige Sekunde verschwendete.
 
Der letzte Preisflug


Der letzte Preisflug verlief so, wie die ganze Woche – Aufregung pur. Fünf Minuten, bevor die erste Taube kam, probierte ich noch einmal die Antennen aus. Natürlich kam es so, wie es kommen musste; sie gingen nicht. Unser Tipes-Gerät nahm die Antennen nicht an und Panik brach aus. Fast mit Landung der ersten Taube gingen auch zum Glück die Antennen wieder. Natürlich war der letzte Preisflug auch der schlechteste. Zusätzlich übersahen wir einen wichtigen Zähler für die deutsche Meisterschaft und alle schlossen bereits damit ab. Erst nachdem alle wieder einigermaßen runterkamen, sahen wir, dass der Zähler wie immer auf seinem Platz saß und auch als dritter registriert wurde. In der Hektik wurde er einfach übersehen. Naja, damit nicht genug. Als ich den Fernabschlag machen wollte, funktionierte dies natürlich auch nicht. Glücklicherweise konnten wir ihn bei einem Vereinskollegen machen und so brachten wir auch den letzten und damit entscheidenden Flug einigermaßen heil über die Bühne.

 


 
Eine Jungtierreise, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde und welche mit einem erfolgreichen Ende gekrönt wurde.

 

© Lena von der Becke (Autorin)

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